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Der Erziehungswissenschaftler
Dr. Edgar Birzer
über das Kunstquartier und die dort praktierte Kunstvermittlung:

Zur Geschichte des Kunstquartiers.

Das Kunstquartier ist mir seit über 15 Jahren als Schule zur Vermittlung künstlerischer Fähigkeiten bekannt.

Gegründet wurde es von Doris Weller gemeinsam mit Hans-Jörg Dürr in einer Zeit als die Stadt Nürnberg noch Interesse an sozio-kulturellen Ansätzen hatte und diese entsprechend fördert. Diese Zeit der Demokratisierung der Kunstausübung ist nun leider schon länger vorbei. Das Kunstquartier besteht aber auch ohne öffentliche Förderungsmittel weiter.

Hans-Jörg Dürr ist bereits vor vielen Jahren ausgeschieden. Doris Weller führte das Kunstquartier weiter um in Klaus Neuper einen neuen und kompetenten Partner zu finden.

In seiner ersten Phase war das Kunstquartier eine Schule im klassischen Sinn: Es gab feste Kursangebote mit zwingender Zeitplanung, vorgegebenen Inhalte für alle Kursteilnehmer und ein hierarchischen Verhältnis LehrerIn:SchülerInnen. Irgendwann fand dann ein Wandel statt, der sich mit Iwan Illich als "Entschulung" beschreiben läßt: Abkehr von Schulklassenunterrich hin zu einer individualisierenden Anleitung ohne dabei das Kollektiv der Lernenden außer Acht zu lassen.

So hat das Kunstquartier den kulturpolitischen wie auch den persönlichen Wandel überstanden und wurde dabei inhaltlich besser.

Zur Pädagogik

Magisterin Doris Weller hat zwei verschiedene Ausbildungsgänge, die Ihr die Vermittlung von künstlerischen Tun ermöglichen.

Zum einen besuchte sie die Werkkunstschule in Würzburg. Hier erlangte sie die "technischen" Grundlagen ihres künstlerischen Tuns. Für diesen Bereich gibt es freilich Bessere, die Fähigkeiten von Weller zu würdigen. Hier soll exemplarisch der Kunsthistoriker Martin genannt werden.

Zum anderen absolvierte sie die Universität Erlangen-Nürnberg: Dort studierte Sie die Fächer Pädagogik, Soziologie und Psychologie und erwarb sich so die Grundlagen der Vermittlung von künstlerischem Tun.

Die dialektische Struktur des Kunstvermittelns hatte sie - beispielhaft an Kandisky - in ihrer Magisterarbeit „Die Kunst der Lehre der Kunst” erforscht.

In ihrem praktischen Handeln ist sie in gleicher Weise in der Lage dialektische Strukturen bewältigen zu können. Doris Weller hat ein großes praktisches "Gespür" dafür, was Theodor Litt einmal theoretisch ausformulierte: "Führen", also erzieherische Hilfe, ist dann erforderlich, wenn objektiver Geist (= der Bildungsinhalt) und werdende Seele (= der Lernende) nicht von selbst zusammen kommen. "Wachsenlassen" ist dagegen angebracht, wenn "Inhalt" und "Lernender" einander von selbst finden.

In ihrem lehrenden Tun versteht sie es besonders:

  • eine pädagogisch fruchtbaren Situation zu schaffen,
  • ihre SchülerInnen zu individualisieren und damit angemessen zu fordern und zu fördern,
  • praktische Hilfestellungen bei der Überwindung von, Motivationsdefiziten zu geben,
  • inhaltlich eine ausgewogene Mischung aus der Vermittlung von Kunsttheorie/-geschichte, ästhetischer Bildung, und handwerklicher Techniken zu verwirklichen.