Der
Erziehungswissenschaftler Zur
Geschichte des Kunstquartiers. Das
Kunstquartier ist mir seit über 15 Jahren als Schule
zur Vermittlung künstlerischer Fähigkeiten
bekannt. Gegründet
wurde es von Doris Weller gemeinsam mit Hans-Jörg
Dürr in einer Zeit als die Stadt Nürnberg noch
Interesse an sozio-kulturellen Ansätzen hatte und diese
entsprechend fördert. Diese Zeit der Demokratisierung
der Kunstausübung ist nun leider schon länger
vorbei. Das Kunstquartier besteht aber auch ohne
öffentliche Förderungsmittel
weiter. Hans-Jörg
Dürr ist bereits vor vielen Jahren ausgeschieden. Doris
Weller führte das Kunstquartier weiter um in
Klaus
Neuper
einen neuen und kompetenten Partner zu
finden. In seiner
ersten Phase war das Kunstquartier eine Schule im
klassischen Sinn: Es gab feste Kursangebote mit zwingender
Zeitplanung, vorgegebenen Inhalte für alle
Kursteilnehmer und ein hierarchischen Verhältnis
LehrerIn:SchülerInnen. Irgendwann fand dann ein Wandel
statt, der sich mit Iwan Illich als "Entschulung"
beschreiben läßt: Abkehr von
Schulklassenunterrich hin zu einer individualisierenden
Anleitung ohne dabei das Kollektiv der Lernenden außer
Acht zu lassen. So hat das
Kunstquartier den kulturpolitischen wie auch den
persönlichen Wandel überstanden und wurde dabei
inhaltlich besser. Zur
Pädagogik Magisterin
Doris Weller hat zwei verschiedene Ausbildungsgänge,
die Ihr die Vermittlung von künstlerischen Tun
ermöglichen. Zum einen
besuchte sie die Werkkunstschule in Würzburg. Hier
erlangte sie die "technischen" Grundlagen ihres
künstlerischen Tuns. Für diesen Bereich gibt es
freilich Bessere, die Fähigkeiten von Weller zu
würdigen. Hier soll exemplarisch der
Kunsthistoriker
Martin
genannt werden. Zum anderen
absolvierte sie die Universität Erlangen-Nürnberg:
Dort studierte Sie die Fächer Pädagogik,
Soziologie und Psychologie und erwarb sich so die Grundlagen
der Vermittlung von künstlerischem Tun. Die
dialektische Struktur des Kunstvermittelns hatte sie -
beispielhaft an Kandisky - in ihrer Magisterarbeit Die
Kunst der Lehre der Kunst erforscht. In ihrem
praktischen Handeln ist sie in gleicher Weise in der Lage
dialektische Strukturen bewältigen zu können.
Doris Weller hat ein großes praktisches "Gespür"
dafür, was Theodor Litt einmal theoretisch
ausformulierte: "Führen", also erzieherische Hilfe, ist
dann erforderlich, wenn objektiver Geist (= der
Bildungsinhalt) und werdende Seele (= der Lernende) nicht
von selbst zusammen kommen. "Wachsenlassen" ist dagegen
angebracht, wenn "Inhalt" und "Lernender" einander von
selbst finden. In ihrem
lehrenden Tun versteht sie es besonders:

Dr. Edgar Birzer
über das Kunstquartier und die dort praktierte
Kunstvermittlung: